"Schule stand noch nie so gut da wie heute"
Richard Breidert an der Ricarda-Huch-Schule verabschiedet - Bisheriger Stellvertreter Werner Nissel zum Nachfolger ernannt
GIESSEN (fod). "Bauherr", "unermüdlicher Macher", engagierter Pädagoge, aber gleichzeitig auch
diskussionsfreudig und unbequem, wenn es um die Zukunft seiner Schule ging. Werden einem Mann solche Attribute zuteil, ist klar, dass sein Abschied eine Lücke hinterlassen muss. Das trifft erst recht auf Richard Breidert zu, der gestern nach über neun Jahren als Leiter der Ricarda-Huch-Schule (RHS) und vorherigen sechs Jahren als pädagogischer Leiter in die Altersteilzeit und somit den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet wurde. "Für die Schulgeschichte ist das ein historischer Moment und eine Zäsur für die ganze Schulgemeinde", betonte der stellvertretende Schulleiter Werner Nissel, der kurz darauf vom Leitenden Schulamtsdirektor Arno Bernhardt zu Breiderts Nachfolger ernannt wurde.
Im großen Saal des vor allem dem Engagement von Richard Breidert zu verdankenden Neubaus in der Dammstraße war gestern Vormittag kein freier Stuhl mehr zu finden. Unzählige Kollegen, Vertreter anderer Gießener Schulen und von verschiedenen Ämtern, Wegbegleiter aus früheren Tagen und Schüler, die trotz Freistunden nach kurz zuvor erhaltenem Halbjahreszeugnis der Verabschiedungsfeier beiwohnten, waren gekommen, um ihren scheidenden Schulleiter zu würdigen. "Sie haben diese Schule nachhaltig geprägt und sehr gute Arbeit geleistet", lobte Arno Bernhardt den 62-jährigen Breidert, der im Mai seinen 63. Geburtstag feiert.
"Wir sind eine moderne, schöne und tolerante Schule. Daran haben Sie einen großen Anteil".Leoni Nagel, SchülerinBernhardt nannte dafür als herausragendes Beispiel neben der baulichen Erweiterung und Renovierung der RHS sowie der nach langen Kämpfen erreichten Rückkehr zu G9 die Eingliederung des Haupt- und Realschulzweiges der Landgraf-Ludwig-Schule. "Das erfordert pädagogisches Geschick und Überzeugungsarbeit", stellte der Schulamtsdirektor fest. Dr. Volker Kölb, Schuldezernent der Stadt Gießen, erinnerte danach an die vielen Meinungsverschiedenheiten, die es zwischen ihm und Richard Breidert unter anderem zur Zukunft der Schule gegeben habe. "Wir waren uns in dem Ziel einig, Schüler zu fördern und zu fordern", so Kölb, "aber über den Weg dorthin hatten wir sehr unterschiedliche Ansichten." Was aber letztendlich kein Hindernis gewesen sei, "dass wir sehr gut zusammengearbeitet haben".
Ein dickes Lob gab es auch von Eva Jobst, der Studienleiterin der RHS. "Die Schule stand noch nie so gut da wie heute", betonte sie. Dies habe die RHS zu einem wesentlichen Teil Richard Breidert zu verdanken, der "als Schulleiter ein Arbeiter war, der sich um alles und jeden kümmerte" und noch dazu "viel Staub aufgewirbelt hat". Weitere Dankesworte kamen von den beiden Vertretern des Schulelternbeirates. "Wir haben uns von Ihnen immer sehr verstanden gefühlt", wandten sie sich an Breidert. Vor allem imponierte ihnen, "wie mutig Sie sich für die Interessen unserer Schule bei den politisch Verantwortlichen eingesetzt haben". Ähnlich sah es die Schülerin Leonie Nagel. "Wir sind eine moderne, schöne und tolerante Schule. Daran haben Sie einen großen Anteil", sprach die Schulsprecherin Breidert im Namen der Schülerschaft Dank aus.
Doch damit war die Liste der Redner noch lange nicht zu Ende. Auch sein ehemaliger Kollege an der Gesamtschule Gießen-Ost, deren heutiger Leiter Heribert Ohlig, und Sabine Wiesner-Müller, Schulleiterin der mit der RHS kooperierenden Helmut-von-Bracken-Schule, würdigten Richard Breidert. Wie ebenso Vertreter des Förder- und Ehemaligenvereins und des Personalrats, der als Abschiedsgeschenk einen gelungenen Sketch aufführte.
Überhaupt wurde der scheidende Schulleiter mit allerlei Geschenken bedacht: Arno Bernhardt hatte ihm schwedische Spezialitäten mitgebracht, der Schulelternbeirat einen reichlich gefüllten Koffer und auch Präsentkorb sowie Buchgeschenke wurden überreicht. Richard Breidert schien sichtlich überwältigt von dem großen Zuspruch. "Ohne Ihren verlässlichen Einsatz wäre das alles nicht möglich gewesen", bedankte er sich schließlich sowohl bei seinem Kollegium als auch allen Angestellten der RHS und den Leitern der anderen Gießener Schulen sowie den Ämtern für die gute Zusammenarbeit während der 15 Jahre, die er an der RHS tätig war.
Die über zweieinhalbstündige Feier wurde von reichlich Musik begleitet. So sangen zu Beginn der Verabschiedung Schüler der fünften und sechsten Klasse die RHS-Hymne, die zum Schluss der Veranstaltung dann noch einmal vom ganzen Saal angestimmt wurde.
Weiterhin gab es einen Auftritt des Chors der Songwerkstatt der Sekundarstufe II, der aus Lehrern bestehenden a-capella-Formation "Voice Guys" und der Solo-Sängerin Lea Keil, die sich selbst auf der Gitarre begleitete. Beim anschließenden Buffet wurden dann noch reichlich Erinnerungen ausgetauscht.
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