Aus dem Gießener Anzeiger vom 10.11.200

Mit Lesestunde der Opfer gedacht

Wider das Vergessen: Die Schüler und Schülerinnen der Ricarda-Huch-Schule gedachten der während der Nazi-Herrschaft deportierten und ermordeten Schülerinnen.

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Bildquelle: Czernek

Jahrgangsübergreifende Aktion an Ricarda-Huch-Schule

(cz). Eine Schulstunde lang klinkte sich gestern die gesamte Ricarda-Huch-Schule aus dem Unterrichtsplan aus, um mit einer "Lesestunde" am Jahrestag der Reichspogromnacht der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. In jedem Jahrgang wurde das Thema "9. November" bei dem jeweiligen Fachlehrer aufgearbeitet. Wie jeder Lehrer die Stunde gestaltete, blieb ihm überlassen. Der Vorschlag war vom gesamten Kollegium einstimmig bei einer Gesamtkonferenz gefasst worden. Im Vorfeld der Aktion wurde von einem Vorbereitungskreis geeignete Bücher und Unterrichtsmaterialien gesichtete, aufbereitet und zusammengefasst. Chemielehrerin Andrea Fiedler ging mit der 11. Klasse auf die jüdischen Naturwissenschaftler ein, die das Land damals verlassen mussten. Ihr besonderes Augenmerk richtete sie auf die Lebensgeschichte der Physikerin Lise Meitner, die gemeinsam mit Otto Hahn maßgeblich an der Erforschung der Kernspaltung beteiligt war und im Sommer 1938 aus Deutschland emigrierte. Die Klasse 6b unter Leitung von Jaqueline Rahnma beschäftigte sich generell mit dem Thema Nationalsozialismus. Die Lehrerin las Abschnitte aus dem Buch "Damals war es Friedrich" von Hans-Peter Richter.

Der Deutsch-Grundkurs Klasse 13 unter der Leitung von Rolf Weinreich gedachte der zehn jüdischen Mitschülerinnen der Ricarda-Huch-Schule, die in der Zeit zwischen 1938 und 1945 aus Gießen verschleppt und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Aus diesem Anlass legten sie jeweils eine Rose auf die verlegten "Stolpersteine", die an die Namen der Schülerinnen erinnern. Zudem steckten sie Rosen an die Gedenktafel der Schülerinnen im Innern der Schule.

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