Aus der Gießener Zeitung vom 05.11.2009 und Gießener Allgemeine vom 05.11.2009

Theateraktion in der Gießener Innenstadt

Drei Gießener Schulen performen gemeinsam ...

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Giessener Anzeiger | Protest gegen Raumnot: Schul-Theatergruppen führen Performance auf

Theater in Aktion von drei Gießener Schulen auf dem Kirchenplatz.

Bildquelle: Czernek

(cz). Darstellendes Spiel, also Theater, erfährt an Schulen eine große Resonanz bei Jugendlichen. In andere Identitäten schlüpfen, sich ausprobieren und Grenzen überschreiten sind nur wenige der Aspekte, die das immer wichtiger werdende Fach vermittelt. Allerdings gibt es keinen geeigneten Theaterraum für Schultheatergruppen und Amateurtheater in der Stadt. Auf diesen Missstand wies eine Theaterperformance auf dem Kirchenplatz von fünf Theatergruppen hin. 75 Jugendliche aus der Ricarda-Huch-Schule (RHS), dem Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) und der Liebigschule (Lio) hatten sich hierfür an Elias Canetti herangewagt.

Raum mit professioneller Theaterausstattung gesucht
Gesucht wird ein Raum mit einer professionellen Theaterausstattung, in der die erarbeiteten Stücke auch angemessen effektvoll dem Zuschauer präsentiert werden können. Zudem wäre es aus Sicht der Theaterpädagogen sinnvoll, wenn die Räumlichkeit zugleich eine Begegnungsstätte für Workshops und Theatertreffen sein könnte. Darüberhinaus wird ein besserer Rahmen für die regelmäßig stattfindenden Mittelhessischen Schultheatertreffen bieten könnte.

Das Jokus sei in seiner jetzigen Ausstattung nur im bescheidenen Maße für das Treffen geeignet, erläuterte Irmingard Emanuel vom Fachbereich Darstellendes Spiel an der Liebigschule und Mitinitiatorin die Grundidee.

An der halbstündigen Aktion beteiligten sich 75 Schüler mit viel Elan und regten die Zuschauer zum Nach- und mitdenken an. Die Initiatoren, neben Irmingard Emanuel (Lio) waren das Michael Meyer und Christoph Drescher (RHS) sowie Rolf Bernhardt (LLG) hatten sich eine sternförmige Performance erarbeitet, die sich um den Satz von Elias Canetti drehte: „Da fahren sie in aller Welt herum, kommen zurück, fahren weg, und ich bin hier, immer derselbe, nichts ist geschehen, ich immer mit den selben Gedanken und Menschen beschäftigt.“

Ab 2012 auch Abiturprüfungsfach
Alle Schüler waren von der Idee begeistert und kamen gerne zu der Aktion, auch wenn sie deutlich nach dem Schulende lag, wusste Nina Schleif vom LLG zu berichten. Gespielt und geprobt wird in den unterschiedlichsten Räumen mit den verschiedensten Ausstattungsmöglichkeiten. Manche Schulen verfügen über eigene Probenräume, in anderen teilen sich die Theaterkurse die Räume mit den Musikern. „Die Ausstattung der Schulen mit für den Theaterunterricht geeigneten Räumen ist sehr bescheiden, um nicht zu sagen häufig katastrophal“, so Emanuel, „und das, obwohl es das Fach Theater immer beliebter wird und ab 2012 auch Abiturprüfungsfach wird.“ Auch an der Universität sind keine geeigneten Räume vorhanden, die Theaterwissenschaftler kämpften selbst mit Raumproblemen, berichtete Meyer.

Auf offene Ohren stößt das Anliegen bei Cathérine Miville, Intendantin des Stadttheaters, die zu der Theateraktion gekommen war. „Sie haben nur Recht“, kommentierte sie die Performance. Sie wisse um die Notwendigkeit eines eigenen zentralen Raumes und würde dies auch immer bei der eigenen Suche nach Theaterspielmöglichkeiten mit im Auge behalten.

Auch Kulturdezernent Harald Scherer ist die Problematik bewusst. „Wir haben es im Blick und werden die Augen offen halten“, sagte er. Derzeit gäbe es viele Optionen. Für ihn ist die richtige Plattform die Initiative „Kultur im Dialog“, in dessen kommenden Treffen im November soll auch dieses Thema weiter diskutiert werden.

Giessener Allgemeine | Aktion für Jugendtheater-Räume

Fantasievoll machten Jugendliche auf dem Kirchenplatz auf fehlende Theater-Räume aufmerksam. (Bildquelle: Schepp)

Gießen (pd). Schwarze Jacken, rote Schals, grüne Plastikeimer und Gruppen in Bewegung: Für erstaunte Blicke der Passanten sorgten am Mittwoch rund 50 Mitglieder von Theatergruppen der Ricarda-Huch- und der Liebigschule sowie des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums mit einer Aktion auf dem Kirchenplatz.

Der leichte Niederschlag während der Vorführung hatte durchaus etwas Symbolisches: Die Gießener Schultheatergruppen fühlen sich im Regen stehen gelassen. Die Forderung nach einem geeigneten Raum oder einem kleinen Zentrum gebe es schon lange, sagten Michael Meyer (Ricarda-Huch-Schule) und Irmingard Emanuel von der Liebigschule nach der Vorführung. Dort sollen Jugend-, Schul- und freie Theatergruppen unter professionellen Bedingungen proben und ihre Ergebnisse aufführen können. Doch umgesetzt wurde diese Idee bisher nicht. Das mittelhessische Schultheatertreffen müsse regelmäßig unter bescheidenen Bedingungen im Jugendzentrum »Jokus« stattfinden, an die Ausrichtung hessischer Theatertreffen oder gar des bundesweiten »Schultheaters der Länder« sei angesichts der Raummisere nicht zu denken. Marburger Schulen stehe die Waggonhalle zur Verfügung, verwiesen die Lehrer auf deutlich bessere Bedingungen in der Nachbarstadt.

Am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium gebe es keine eigenen Räume - die Proben finden im Musiksaal statt, berichteten Nina Schleif und Swantje Günther. An der Liebigschule werde zwar ein »wunderbarer Raum« hergerichtet, dennoch sei ein Zentrum mit Beleuchtungsmöglichkeiten, Beschallungsanlagen und den notwendigen Steuerungseinrichtungen, in dem sich Theatergruppen zu Workshops oder Erfahrungsaustausch treffen können, dringend notwendig, so Irmingard Emanuel. Zustimmung erhielten die Theatergruppen von Cathérine Miville. »Die haben völlig recht«, bekräftigte die Stadttheater-Intendantin während der Aufführung.

Bei der Stadt ist das gestern noch einmal eindrückliche geschilderte Problem bekannt, bestätigte Harald Scherer. Der Schul- und Kulturdezernent warnte allerdings davor, die Forderung nach geeigneten Räumen »isoliert« zu betrachten. Er sprach sich dafür aus, ein »abgestimmtes Konzept« zu erarbeiten - beispielsweise im Rahmen der Gruppe »Kultur im Dialog«. Es komme darauf an, die Interessen der Gruppen zu koordinieren und einen gewissen finanziellen Rahmen nicht zu überschreiten.

© RHS Giessen 2008