
Chicago

Lernen an der Whitmer High

"Hayride" - Fahrt im Heuwagen

Halloween-Party

Sportevent an der Whitmer High
|
Es ist vollbracht - oder besser: ein neuer Anfang ist gemacht.
Am 11.10.2002 kehrten die 14 SchülerInnen aus den Jahrgängen 11 (Torben Dietrich, Bastian Ullrich, Markus Pohl) und 12 (Sarah Lischka, Dominik Bley, Carolin Hahn, Tilo Fricke, Aron Eggermann, Hanna Jitschin, Anna Wenzel, Tina Ludwig, Jan Christopher Volk, Nicole Jesse und Kristina Eicker) mit ihren beiden begleitenden Lehrerinnen Frau Dr. Sprenger und Frau Fest von ihrem ersten Austausch mit der Whitmer High School in Toledo, Ohio zurück.
Mit gebracht haben sie die Erinnerung an neu gewonnene FreundInnen, an gemeinsame Erlebnisse, Unternehmungen und Erfahrungen, aber in vielen Fällen auch eine kritischere Einstellung vielen Aspekten der amerikanischen Lebensweise gegenüber.
Nach einem langen Flug (9 Stunden nach Chicago und dann eine weitere Stunde) kamen wir am späten Abend (für uns war es mittlerweile in den frühen Morgenstunden) in Toledo an und wurden dort mit Applaus und selbst gemalten Plakaten sehr herzlich empfangen. Außerdem wurden sofort Erinnerungsfotos der jeweiligen Austauschpaare gemacht.
Ab dem nächsten Morgen hieß es jeden Tag: Schulbeginn um 7.30. Für die unsere Schüler-Innen bedeutete dies in vielerlei Hinsicht eine neue Erfahrung, beginnend mit dem Schulweg: die meisten fuhren mit den typischen gelben Schulbussen, andere wurden zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Auto mit genommen, das von einer / einem 16-jährigen gefahren wurde.
Im schulischen Bereich kam es (trotz vorheriger Information) in den folgenden beiden Wochen noch oft zu Staunen ob der Unterschiede, aber auch der Strenge, mit der der Schulalltag geregelt ist (so etwa die Hefte, in die SchülerInnen sich jeden Gang zur Toilette quittieren lassen mussten, Kontrollen im Gang und sehr viel härteres Durchgreifen seitens der Autoritäten bei Konflikten zwischen Schülern). Auch kam spätestens in der 2. Woche gelegentlich Langeweile auf, da die amerikanischen Schüler jeden Tag die gleichen Stunden haben. Um dem entgegen zu wirken, hatten sich unsere amerikanischen KollegInnen jedoch einiges einfallen lassen: so gab es etwa einen "adopt a German" day, an dem unsere SchülerInnen von amerikanischen SchüleInnen adoptiert wurden, die sie noch nicht kannten, und mit ihnen den Unterricht besuchten.
Und dann waren da natürlich noch die in Deutschland erarbeiteten Präsentationen.
Folgende Themen wurden nach einem vom amerikanischen Kollegen Scheiber in langer Arbeit und in Absprache mit seinen Kollegen erstellten Plan in den verschiedensten Klassen von 2er bis 3er Gruppen in Referatform (teilweise unterstützt durch PowerPoint, immer aber mit Bildmaterial auf
Overheadfolen) vorgetragen:
.:: A virtual tour of Giessen ::.
.:: Castles around Giessen ::.
.:: The German school system and our school in particular ::.
.:: How Germans lived in former times, a tour through Hessenpark ::.
.:: Romans and Celts in our area ::.
.:: The Grimm brothers and their fairytales ::.
Die Präsentationen kamen durchweg sehr gut an; unsere SchülerInnen erhielten sehr viel Lob und Dankesschreiben ob des gezeigten Engagements, des guten Englisch oder einfach nur der netten Art, in der vorgetragen und alle Fragen beantwortet wurden.
Viele Präsentationen wurden 10 Mal oder noch häufiger gehalten; am gefragtesten waren - wie sollte es anders sein - die "castles".
Was das außerschulische Programm anbetrifft, so haben sich unsere amerikanischen Partner einiges einfallen lassen um uns an ihrer Kultur Teil haben, Bräuche, aber auch die nähere Umgebung kennen lernen zu lassen. So fand etwa gleich am ersten Abend ein "Potluck Dinner" mit anschließendem line- und square dance statt (siehe Zeitungsartikel im Anhang). Bei dieser Gelegenheit, bei der wir gemeinsam viel Spaß hatten, kamen sich die Austauschpartner und Familien erstmals näher; es wurde viel gelacht und geredet.
Glück hatten wir auch mit der Terminierung unseres Aufenthaltes, denn so kamen wir in den "Genuss" eine "homecoming-week" kennen zu lernen.
Wir waren bei der Vorstellung der "homecoming queen nominees" dabei, nahmen am snake dance Teil, einer Parade durch einen Stadtteil. Hier wurde deutlich, wie viel mehr sich amerikanische SchülerInnen mit ihrer Schule identifizieren als das häufig in Deutschland der Fall ist. So gab es selbst hergestellte Wagen und Plakate, die das Football Team am nächsten Abend unterstützen sollten und die durch die Stadt gezogen wurden.
Am nächsten Abend fand dann das homecoming footballspiel (mit cheerleaders und marching band) statt und am Abend darauf der homecoming dance, für den wir uns extra festliche Kleidung mit bringen mussten.
Während unsere SchülerInnen offensichtlich viel Freude an Snake Dance und Footballspiel hatten, stellte der Tanzabend für viele doch eher eine Enttäuschung dar. So hatten vor allem die Mädchen mit erlebt, wie man sich den ganzen Samstag lang auf den "großen Abend" vorbereitete (Friseurbesuch, Maniküre, Pediküre ...). Am Abend jedoch mussten sie dann feststellen, dass der ganze Aufwand für ganze drei Stunden (von 8 bis 11) betrieben worden war, und dass es zudem gar kein wirkliches Programm stattfand. Es gab nichts (gar nichts !!!) zu trinken, keine Sitzgelegenheit, und getanzt wurde allenfalls in der letzten Stunde ein wenig - jedoch wurde im Anschluss an den offiziellen Teil vielerorts auf privaten Partys noch weiter gefeiert.
Die Umgebung Toledos erkundeten wir per Boot, bei einer riverboat cruise auf dem Maumee River. Hieran nahmen ebenfalls die Gastfamilien Teil.
Ferner stand ein Besuch im "Recreation Center", einem großen Sportzentrum auf dem Gelände der Toledo University, auf dem Programm, ebenso ein Besuch im Henry-Ford-Museum, wo wir auch einen Film über die Lewis and Clark Expedition zu sehen bekamen und, zum Abschied, einen typisch amerikanischen "hayride" mit "bonfire", zu dem wir, die deutschen Gäste, zu den hotdogs typisch deutsche Gerichte beisteuerten (z.B. Kartoffelsalat, grüne Soße, Nudelsalat, Brot, Nussecken etc.).
Insgesamt machten wir alle sehr positive Erfahrungen mit der großen Gastfreundschaft, mit der wir aufgenommen wurden. Die Gastfamilien kümmerten sich teils rührend um unsere SchülerInnen, viele unternahmen mit ihnen Ausflüge, einige gar bis zu den Niagarafällen, die immerhin ca. sieben Autostunden entfernt liegen oder zu Cedar Point, einem großen Vergnügungspark mit der größten Achterbahn Amerikas.
Einen gewissen "Kulturschock" erfuhren viele hinsichtlich der Essensgewohnheiten. Nur in wenigen Familien wurde regelmäßig gekocht bzw. gemeinsam gegessen und viele ernährten sich mindestens ein Mal täglich durch fast food. Die SchülerInnen machten die Erfahrung, dass Obst, Gemüse, aber auch einfaches Mineralwasser nicht notwendigerweise auf dem amerikanischen Speiseplan zu finden ist.
Schockiert waren einige auch ob des mangelnden Umweltbewusstseins: selbst kürzeste Strecken wurden von den Familien in ihren - für europäisches Verständnis teils riesigen - Autos zurück gelegt und Wegwerfgeschirr auf Ausflügen, in Restaurants, teilweise aber sogar zu Hause, war an der Tagesordnung.
Gekrönt wurde unser USA-Aufenthalt nach einem tränenreichen Abschied durch zwei Tage Chicago. Hier waren wir in einer sehr zentral gelegenen Jugendherberge untergebracht und genossen bei herrlichem Wetter die "windy city", die sich während unserem Aufenthalt jedoch eher zahm gab. Unter anderem sahen wir uns die Buckingham Fountain und den Navy Pier an, fuhren auf den Sears-Tower hinauf und machten eine 2-stündige Bustour durch downtown, während der viel Interessantes über die außergewöhnliche Architektur der Stadt zu erfahren war.

|