Bild und Text zu einer lieblichen Eindrucksvermittlung vermengt - das erwartet Sie bei den Impressionen aus unserer Schule, die stetig erweitert werden. Viel Spaß beim Schlendern durch unsere Schule.

Impressionen

 

 

 

 

 

Vor 100 Jahren, 1907, wurde das vom Architekten Hans Meyer entworfene Gebäude eingeweiht. Den Namen der Schriftstellerin Ricarda-Huch erhielt die Schule erst 1980.
Als ein "Palast des Jugendstils" wurde der Altbau der Ricarda-Huch-Schule in einem Aufsatz der Kunsthistorikerin Britta Spranger bezeichnet.

Der Eingang an der Nordanlage war ursprünglich der Haupteingang der Schule. In der Entwurfszeichnung sieht man zwei weitere Gebäudeteile, die im 2. Weltkrieg zerstört wurden: ein Musiksaal und eine Aula bzw. Turnhalle, der sich ein großes Gartentor anschließt. Sehr unterschiedliche Baukörper miteinander zu kombinieren, war in der Jugendstilarchitektur beliebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schauen wir uns das Hauptportal genauer an. Die schwere Holztüre ist einfasst von rötlichem Sandstein. Zwei Säulen tragen eine Deckplatte, auf der ein Schriftband zu sehen ist. Ein Löwen- und ein Wolfskopf schmücken die Ecken. Die Säulen sind im unteren Teil von einem Relief von stilisierten Bambusrohren überzogen.

Oben in der runden Steineinfassung der Tür thront ein dicker Frosch. In den Hohlkehlen der Einfassung scheinen Bienen nach oben zu krabbeln. Die Bienen dürften als Symbole für Fleiß stehen… Einen eindeutigeren Hinweis auf das Geschehen im Gebäude finden wir in den Ecken: ein aufgeschlagenes Buch und ein Globus mit Zirkel, Zeichen für Geistes- und Naturwissenschaften.

Im schmiedeisernen Gitter vor den Türfenstern sind je sechs Köpfe im Profil dargestellt, die oberen scheinen Papageien wiederzugeben, in der unteren Reihe sind Personen wiedergegeben. Wie schon bei den Tiersymbolen fragt man sich als Betrachter, ob ein Bezug auf Schüler und Lehrer hier ironisch vermittelt wird und in welcher Zuordnung sie zu verstehen sind.

Treten wir in den inneren Eingangsbereich ein, so erhalten
wir einen Eindruck von der Material-, Formen- und Farbenvielfalt, die der Jugendstil liebte: rote Terrakotta-Fliesen, begrenzt von grauen Steinbändern, Granitstufen, in unterschiedlichen Farben gekachelte Wandsockel, die von einer Bordüre jugendstiltypischer Schmuckkacheln mit stilisierten Naturmotiven abgeschlossen werden: Schmetterlingsflügel, Rose, Seerosenblatt, Seerose.

Zu beiden Seiten der Schwingtüre zum Treppenhaus sehen wir eine reich verzierte Fenstereinfassung im Renaissance-Stil. Zu den Seiten versenkte Reliefs, die Früchte und Blätter darstellen, im Aufsatz ein Blätterkranz mit Wappen, über dessen Rand ein Putto hervorschaut.

Hinter einem dieser Ädikulafenster befand sich früher die Loge des Hausmeisters. Das Fenster auf der anderen Seite diente nur der Symmetrie. Wie auch an anderen Teilen des Gebäudes deutlich wird, werden neben typischen Jugendstilformen auch Anlehnungen an verschiedene historische Stile verwendet, besonders Renaissance und Spätgotik. Dieses Zitieren war üblich im Historismus. Der Jugendstil löste sich davon, indem er eine eigene Formensprache entwickelte.

Durch die noch original erhaltene, weiß lackierte Flügeltür kommen wir ins Haupttreppenhaus. Dieser Bereich ist bestimmt durch vier Säulen: hochgezogener, eckiger Sockel, sich leicht verjüngender Säulenschaft, mit steinernem Blattwerk und Früchten verziertes Kapitell.

Auf dem Sockel der Säulen vermitteln Tierskulpturen den
Eindruck von dort herumkriechenden Tierchen: Salamander, Bienen, Schildkröten, Käfer, Spinnen, usw.

Diese Kleinskulpturen sind erst in späterer Zeit von Schülerinnen bemalt worden.

 

© RHS Giessen 2008